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Wirtschaft

01.12.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsentwicklung

Die Mongolei entwickelt sich seit ihrer politischen Wende vor 28 Jahren kontinuierlich von einem Agrar- zu einem Rohstoffexportland. Die Rohstoffverarbeitung im Land selbst steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Mongolei hatte, insbesondere gefördert durch ausländische Investitionen und hohe Weltmarktrohstoffpreise in den Jahren bis 2013 ein rasantes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen. In den Jahren danach erfolgte ein tiefer Einbruch, der das Land an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte. Seit  2017 ist, bedingt durch gestiegene Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt und damit verbesserter Exporterlöse, eine spürbare Erholung zu verzeichnen.

Das Land verfügt über einige der weltweit größten Kupfer-, Kohle- und Goldvorkommen sowie Zink, Uran, Erdöl, seltene Metalle und Erden – gute Voraussetzungen also, um dank dieses Rohstoffreichtums eine schnell wachsende Volkswirtschaft zu gestalten. Gleichzeitig warnen Beobachter die Mongolei immer wieder davor, ein Opfer des sog. „Rohstofffluches“ (dutch disease; d.h. starke Abhängigkeit von Fluktuationen auf den Rohstoffmärkten) zu werden.

Ende Mai 2017 musste ein Beistandskredit (Extended Fund Facility) des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 434 Mio. US-Dollar in Anspruch genommen werden, um die Zahlungsfähigkeit des Landes zu gewährleisten. Zusammen mit weiteren internationalen Unterstützungszusagen der Asian Development Bank (ADB), der Weltbank sowie bilateraler Geber in Höhe von 5,5 Mrd. US-Dollar soll die  Finanzkrise der Mongolei überwunden werden.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die stark expansive Wirtschaftsentwicklung der Mongolei hat sich seit 2013, bedingt durch rückläufige Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt und Unsicherheiten in Bezug auf die in der Mongolei gegebenen Rahmenbedingungen für ausländische Investitionen, deutlich verlangsamt und lag 2016 bei nur noch 1,2 %. 2017 hat es sich, bedingt durch gestiegene Rohstoffpreise und damit verbesserte Exporterlöse, auf 5,1 % erholt.

Hohe Schwankungen sind auch bei den ausländischen Direktinvestitionen (FDI) zu verzeichnen. Nach einem Einbruch von 2,09 Mrd. USD (2013) auf lediglich. 110 Mio UDS (2015) stiegen die FDI 2017 auf 1,1 Mrd. USD.

Die Staatsverschuldung ist in den letzten Jahren massiv angestiegen. Lag sie 2011 noch bei rund 32 % im Verhältnis zum BIP, erreichte sie2016 90 % und verringerte sich inzwischen auf 72,7 %.

Die mongolischen Exporte haben infolge weltweit gestiegener Rohstoffpreise  2017 deutlich angezogen (der Kohleexport hat sich vervierfacht). Insbesondere wirkt sich die gestiegene Kohle-Nachfrage aus China positiv aus. Hier macht sich allerdings die doppelte Abhängigkeit der Mongolei einerseits von Rohstoffen, andererseits vom chinesischen Markt bemerkbar – ca. 90 % der Exporte gehen nach China, das zugleich Hauptlieferant ist.

Die offizielle Arbeitslosenquote wird für 2018 (erstes Halbjahr) auf 11,1 beziffert, tatsächlich soll sie nach Angaben der Weltbank wohl wesentlich höher liegen. Die Armutsrate liegt (2017) bei 29,6 % (2014: 21,6 %).

Strukturreformen

Seit Mitte der neunziger Jahre wird die ehemalige sozialistische Planwirtschaft auf eine Marktwirtschaft umgestellt. Die Privatisierung ist inzwischen sehr weit voran geschritten: 85 % der Wertschöpfung erfolgt in der Privatwirtschaft. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der mongolische Staat bedeutende Anteile an den noch nicht erschlossenen wertvollen strategischen Rohstoffvorkommen hält. Seit 2003 ist der private Erwerb von Grund und Boden durch mongolische Staatsbürger möglich, nicht aber durch Ausländer.

Ende 2009 wurde mit den Investoren Rio Tinto und Ivanhoe ein Vertrag zur Ausbeutung der potenziell weltgrößten Kupfermine in Oyu Tolgoi abgeschlossen. Der Staat behält sich hierbei 34% des Besitzes vor. Dafür werden von internationalen Investoren Investitionen in Höhe von insgesamt deutlich über 10 Mrd. USD getätigt werden. Der vertraglich vereinbarte mongolische Minderheits-Anteil (1/3) an Oyu Tolgoi wird von Teilen der mongolischen Öffentlichkeit als ausländische Ausbeutung kritisiert und eine Änderung des Vertrags mit den ausländischen Investoren gefordert. Seit 2013 öffentlich ausgetragene Zwistigkeiten zwischen der mongolischen Regierung und der Rio Tinto Gruppe haben wesentlich dazu beigetragen, dass seither keine neuen Auslandsinvestitionen größeren Umfangs in der Mongolei getätigt wurden. Trotz der 2015 erreichten Einigung, die Phase 2 (Untertagebau) des Megaprojektes ermöglichte, bleibt das mit Abstand größte Investitionsprojekt des Landes ein politischer Zankapfel.

Am 1.11.2013 trat ein Investitionsgesetz in Kraft. Es sichert inländischen und ausländischen Investoren Vergünstigungen und Stabilitätsgarantien zu und soll das Vertrauen der internationalen Investoren wieder zurückgewinnen. Das modernisierte Steuerrecht entspricht inzwischen internationalen Maßstäben.

Wirtschaftssektoren

Durch die beginnende Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in der Mongolei wächst der Anteil des Industriesektors an der mongolischen Wirtschaftsleistung rasch (30 % der Wertschöpfung, 90 % der Exporte), während sich der Anteil der bis in die 90er Jahre dominierenden Landwirtschaft reduziert (15 % des BIP, allerdings bleibt die Viehwirtschaft für 30 % der Bevölkerung Haupteinkommensquelle). Die industrielle Verarbeitung und Fertigung in der Mongolei ist eher gering, was die Dominanz des Bergbausektors innerhalb des Industriesektors noch verstärkt: 3/5 der gesamten Industrieproduktion des Landes entfällt auf den Bergbausektor.

Außenhandel

Mit der Entscheidung 1997 als erstes Transformationsland der Welthandelsorganisation (WTO) beizutreten, hat sich die Mongolei dem System des multilateralen Handels geöffnet. Russland ist weiterhin  wichtiges Einfuhrland für die Mongolei, insbesondere bei Mineralöl und Benzin, während China wichtigstes Exportland für die Mongolei ist. 91 % der mongolischen Exporte, insbesondere Kupfer, Kohle und Gold, gehen nach China, 31 % der Importe kommen von dort.

Durch ihre extrem hohe Exportabhängigkeit von mineralischen Ressourcen (rund 90 % der Exporte sowie 40 % der Fiskaleinnahmen) ist die Wirtschaftsentwicklung der Mongolei wie in keinem anderen asiatischen Land abhängig von der Nachfrage- und Preisentwicklung bei Rohstoffen. Das Leistungsbilanzdefizit lag 2017 bei -4,9 % des BIP. Die Außenverschuldung der Mongolei belief sich 2017 auf insgesamt  27,4 Mrd. US Dollar.

Seit 2005 ist die Mongolei für das „Generalised System of Preferences (GSP)“ der EU qualifiziert; seit dem 01. Januar 2014 erweitert auf GSP +: Damit fallen für die große Mehrheit der mongolischen Exportgüter (7200 Produkte) die EU-Einfuhrzölle weg.

Ausländische Investitionen

Die ausländischen Direktinvestitionen entwickeln sich sehr volatil. Sie brachen von 2013 auf 2014 von 2,09 Mrd. USD auf lediglich 276 Mio. USD ein. Der negative Trend setzte sich im Folgejahr fort, als die FDI auf nur noch 110 Mio. USD absanken, was sich auch in einem Rückgang der Importe widerspiegelt. Nach Unterzeichnung des Vertrages über den Beginn der zweiten Phase des Ausbaus der Oyu Tolgoi Kupfermine (Untertagebau) stiegen die FDI auf 1,1 Mrd. USD.

Deutsche Unternehmen investieren in der Mongolei bislang vorsichtig (Platz 17 unter den Herkunftsländern mit einem Anteil von 0,8% der Auslandsdirektinvestitionen in der Mongolei seit 1990). Im Ranking der ausländischen Investoren in der Mongolei seit ihrer Transformation nimmt Deutschland einen Platz im Mittelfeld ein. Erhebliche Investitionen sind geplant in den Ausbau der Infrastruktur, insbesondere des Eisenbahnnetzes (siehe auch Verkehrsinfrastruktur). Für die Finanzierung großer Projekte hat die mongolische Regierung eine Entwicklungsbank gegründet, die zu diesem Zweck Anleihen auf den internationalen Finanzmärkten platziert.

Entwicklungszusammenarbeit

Klassische Geberländer der Entwicklungszusammenarbeit sind in der Mongolei nur in überschaubarer Zahl aktiv. China wird auch als Projektfinanzierer immer deutlicher sichtbar. Von den multilateralen Gebern sind die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und die Weltbank die größten, aber auch UNDP, FOA und UNICEF sind aktiv. Offizielle Entwicklungshilfe (Official Development Aid, ODA) macht laut OECD seit 2012 ca. 40 % der Finanzflüsse in die Mongolei aus und ist damit seit 1992 abnehmend, obwohl Mittelabflüsse ansteigen. Laut OECD war 2013 mit 422 Mio. USD das Jahr mit den höchsten Mittelabflüssen, 2015 waren es  263 Mio. USD.: Seit 1990 flossen über  5 Mrd. EUR an ODA  an die Mongolei.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit der Mongolei setzte 1992 nach der politischen und ökonomischen Wende ein. Deutschland ist einer der größten klassischen bilateralen Geber. Alleine im Jahr 2017 wurden über 54 Mio. € für Projekte der Entwicklungszusammenarbeit neu zugesagt, insgesamt beläuft sich das Projektvolumen seit 1990 auf über 400 Mio €.

Verkehrsinfrastruktur

Die Verkehrsverbindungen in der Mongolei sind unterentwickelt; sie auszubauen stellt in dem riesigen Flächenstaat mit seinen extremen Wetterbedingungen eine besondere Herausforderung dar.

Hauptverbindung ist die Eisenbahnlinie zwischen Russland und China über Ulan Bator (Gesamtlänge der mongolischen Schienenwege: 1.815 km). Die Mongolei plant, in den kommenden zehn Jahren 5.600 km neue Schienenwege zu bauen, davon 1.600 km bis 2016 mit einem Kostenvolumen von 5,2 Mrd. USD.

Das Straßennetz beschränkt sich auf ca. 5600 km geteerte Straßen, teilweise in schlechtem Zustand. Von Ulan Bator aus werden die mehrere Provinzhauptstädte von zwei inländischen Fluglinien angeflogen. Internationale Linienflüge werden von den mongolischen Fluglinien ( MIAT und lokalen)sowie vier internationalen Fluglinien aus China, Russland, Südkorea und der Türkei angeboten und führen nach Berlin, Frankfurt (nur im Sommer), Moskau, Peking, Shanghai, Hongkong, Seoul, Tokio, Osaka, Ulan Ude,Irkutsk (Russland), Hohhot und Hailar (beide Innere Mongolei, China) sowie Istanbul.

Umwelt

Die Umweltbedingungen sind von erheblicher Luftverschmutzung in städtischen Bereichen, vor allem in Ulan Bator, gekennzeichnet. Diese wird insbesondere durch die Verbrennung ungereinigter Rohkohle in Heizkraftwerken und von brennbaren Abfällen aller Art in den Jurten-Vierteln der städtischen Bevölkerung sowie vom Straßenverkehr verursacht. Verschärft durch die Kessellage von Ulan Bator werden die zulässigen Emissionswerte in den Wintermonaten um ein Vielfaches überschritten, allein bei Feinstaub um mehr als das 130 fache der von der Weltgesundheitsorganisation als sicher eingestuften Werte.

Durch Abholzung, Überweidung, Wilderei und Vermüllung ist die Balance der empfindlichen mongolischen Ökosysteme gefährdet.

Eine wachsende Gefahr geht von den teilweise umweltbedenklichen Abbaumethoden der kleineren privaten Bergbauunternehmen aus. Besonders umweltschädlich sind illegale Abbauaktivitäten. Des Weiteren sind 70 % der Landesfläche von der Desertifikation bedroht. Die teilweise wasserintensive Förderung und Verarbeitung der Rohstoffvorkommen wird den Wasserhaushalt vor noch größere Probleme stellen.

Positiv hervorzuheben ist, dass fast 30 % der Landesfläche als Schutzgebiete (16 % staatliche und 14 % kommunale Schutzgebiete, insgesamt 465.000 km²) ausgewiesen sind. Allerdings fehlen oftmals die finanziellen Mittel, um die Gebiete effizient zu schützen.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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