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Zwei Jubiläen im Jahr 2020:  800 Jahre Karakorum und 20 Jahre archäologische Ausgrabungen der Deutsch-Mongolischen Karakorum-Expedition

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 Seit Jahrtausenden spielt das Tal des Orchon in der Mongolei eine überregional bedeutsame Rolle in der Entstehung nomadischer Steppenreiche. Bedeutende Bestattungsplätze der Xiongnu, Memorialkomplexe der Türken sowie die beiden großen Hauptstädte der Uighuren und Mongolen, Karabalgasun und Karakorum, zeugen bis heute von der wechselvollen Geschichte des Tales und rechtfertigen die Aufnahme des Orchontals in die UNESCO-Weltkulturerbeliste im Jahr 2004.

 Der Legende nach im Jahr 1220 als erste Hauptstadt des mongolischen Reiches von Dschingis Khan gegründet, ist Karakorum bis heute im mongolischen Nationalverständnis als Ort von herausragender Bedeutung verankert. Schon der Franziskanermönch Wilhelm von Rubruck, der im Jahr 1254 für mehrere Monate in der Stadt weilte, lieferte eine außergewöhnlich lebendige Beschreibung des mittelalterlichen Lebens in Karakorum. Er berichtet vom Viertel der Sarazenen und dem der Nordchinesen, in denen feste Häuser errichtet waren, er beschreibt den Palastbezirk und erwähnt „Götzentempel der verschiedenen Nationen“. Zahlreiche buddhistische Tempel, zwei Moscheen und eine Kirche zeugten von der großen religiösen und ethnischen Toleranz und Vielfalt, die das Leben in der Stadt prägten.

Während der Gründungsmythos der Stadt die Gründung für das Jahr 1220 noch unter der Herrschaft Dschingis Khans beschreibt, erfolgte erst im Jahr 1235 unter seinem Sohn Ögedei der Ausbau zur festen ummauerten Stadt. Obschon Karakorum nur bis zum Jahr 1260 die Funktion als Hauptstadt des mongolischen Weltreiches innehatte, diente die Stadt in dieser Zeit als Verwaltungs- und Herrschaftszentrum, als Ort für Raubthesaurierungen, als höchster Gerichtsort und Sammelpunkt für Menschen der unterschiedlichsten Völker des Reiches aber auch für Kriegsgefangene.

 Durch innermongolische Machtkämpfe verlor Karakorum zwar 1260 seine Bedeutung als Hauptstadt des Reiches, blieb aber dennoch als Verwaltungszentrum und zentraler Kultort bestehen. Auch die Bedeutung als Manufakturstadt, in der zahlreiche chinesische Handwerker im Norden des mongolischen Reiches arbeiteten, nahm offensichtlich in dieser Zeit zu. Nach einer wechselvollen Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau fällt die Stadt im 16. Jahrhundert endgültig wüst, auf ihren Ruinen wird das Kloster Erdene Zuu errichtet.

 Auf Initiative von Prof. Klaus Sagaster vom Institut für Mongolistik der Universität Bonn konnte im Herbst 1998 ein Kooperationsvertrag zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut, der Mongolischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Bonn geschlossen werden, der die archäologische Erforschung der alten mongolischen Hauptstadt Karakorum zum Ziel hatte. Vor 20 Jahren, im Jahr 2000, nahm schließlich die Mongolisch-Deutsche Karakorum-Expedition unter der Schirmherrschaft der Präsidenten beider Länder aktiv die archäologische Erforschung des alten Stadtareals auf.

Mit der Untersuchung der „Großen Halle“, dem buddhistischen Staatstempel, des Handwerkerviertels an der zentralen Straßenkreuzung und dem Kultkomplex im Bereich der Nordstadt von Karakorum konnten in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Areale der Stadt umfassender untersucht werden. Zur Würdigung dieses doppelten Jubiläums sollen in den folgenden 20 Wochen im Rahmen einer Facebook-Serie der Forschungsstelle des DAI in Ulan Bator regelmäßig Einblicke in die Ergebnisse der Forschungsarbeit gegeben werden.

 

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